Wie entsteht eigentlich unser Eis im Eisstadion ?

Den Einen interessiert es null, aber der ein oder andere möchte schon mal gerne wissen,
wie eigentlich unser Eis zu Eis wird.

Eine Kunsteisbahn ist im Grunde nichts anderes wie ein überdimensionierter Kühlschrank.
D.h. das physikalische Prinzip, wie Kälte erzeugt wird ist das gleiche wie in einem Kühlschrank.
In dieser Grössenordnung wie unsere im Eisstadion Ludwigshafen, reden wir von einer
Kaltdampf-Kälteanlage, die immer in 4 Arbeitsschritte unterteilt ist:

Schritt 1: Kälteerzeugung durch Verdampfung von Kältemittel bei Temperaturen unterhalb der Umgebungstemperatur.
Schritt 2: Kompression des verdampften Kältemittels mit Hilfe von Verdichtern
Schritt 3: Kondensation des Kältemittels bei Temperaturen oberhalb der Umgebungstemperatur
Schritt 4: Expansion des Kältemittels vom Kondensator im Verdampfer

Grafische Darstellung des Kältekreislaufs:

Kaeltekreislauf

Schritt 1: Kälteerzeugung durch Verdampfung

Der Verdampfungsprozess als solcher ist jedem bekannt, der Zuhause gelegentlich Wasser kocht.
Durch Wärmezufuhr über die Herdplatte wird das Wasser erhitzt und verdampft sobald es eine Temperatur von
100° C erreicht hat. Benutzt man einen Schnellkochtopf, setzt man das Wasser unter Druck und es kocht
erst bei ca. 180° C. Wenn man nun umgekehrt den Dampfdruck über dem Wasser durch eine
Vakuumpumpe reduziert, beginnt das kochen schon bei Temperaturen deutlich unter 100° C.
In Kältemaschinen wird statt Wasser ein Kältemittel für die Verdampfung eingesetzt.
Da sich das Kältemittel in einem geschlossenen Kreislauf befindet, kann man im Verdampfer
durch das gezielte Zuführen von flüssigem Kältemittel (Schritt 4)
und das gezielte Abführen von Kältemitteldampf (Schritt 2) einen ganz bestimmten Druck
aufrecht erhalten.
Dieser Druck wird so gewählt, dass das Kältemittel bei Temperaturen unterhalb der Umgebungstemperatur verdampft.
Im Fall des ERCL wird als Kältemittel Ammoniak verwendet, welches bei einem Druck
von ca. 3,5 bar verdampft, was wiederum einer Verdampfungstemperatur von -5° C entspricht.
Damit das Kältemittel jedoch verdampfen kann, muss es der Umgebung Wärme entziehen.
Bei einer Kunsteisbahn sind deshalb kilometerlange Rohrschlangen in die Eispiste betoniert,
in denen das Kältemittel verdampft und dabei der Eispiste Wärme entzieht.
Hierdurch wird "Kälte" erzeugt und das bei der Eisbereitung aufgebrachte Wasser friert ein.
 

Schritt 2: Kompression des verdampften Kältemittel

Um den Verdampfungsdruck konstant zuhalten, muss mit Hilfe eines Kältemittelverdichters
permanent verdampftes Kältemittel aus dem Verdampfer abgesaugt werden.
Beim ERCL werden für den Verdichtungsprozess sogenannte Kolbenverdichter verwendet.
Diese ähneln vom Aufbau her einem Automotor. Allerdings geben die Verdichter keine Leistung ab,
sondern sie müssen über starke Elektromotoren angetrieben werden.
Ventilplatten im Verdichter sorgen dafür, dass bei der Volumenvergrösserung im Zylinder Kältemittel aus dem
 Verdampfer abgesaugt und bei der Volumenverkleinerung dieses Kältemittel verdichtet und in
Richtung Kondensator ausgeschoben wird.
Das wichtigste Mass für den Verdichter ist die erforderliche Antriebsleistung, da diese schliesslich über die
Stromrechnung bezahlt werden muss.
Diese Antriebsleistung wird vorwiegend durch den Kondensationsdruck bestimmt.
Bei hohen Umgebungstemperaturen muss der Kondensationsdruck angehoben werden,
wodurch eine höhere Antriebsleistung erforderlich ist und selbstverständlich höhere Betriebskosten anfallen.
 

Schritt 3: Kondensation des Kältemittel

Den physikalischen Vorgang der Kondensation, können wir in jedem Winter in unsern Autos erleben.
Wir steigen ein und geben vor allem über unsern Atem Feuchtigkeit an die Luft im inneren des Autos ab.
Die Scheiben sind jedoch kälter als die Luft im inneren, so dass die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit an
den Scheiben kondensiert. Hierbei gibt das kondensierte Wasser seine Kondensationswärme an die Scheiben ab.
Dieser Prozess wird im Kondensator einer Kälteanlage ebenfalls nachgebildet. Durch die Kompression
wird das Kältemittel auf einen solchen Druck gebracht, dass es bei Temperaturen oberhalb der
Umgebungstemperatur Wärme an die Umgebung abführt und dabei kondensieren kann.
Die im Kondensator abzuführende Wärmemenge entspricht der aufgenommenen Wärmemenge
bei der Verdampfung vermehrt um die Antriebsleistung
des Verdichters. Das heisst letztendlich, dass jede Kältemaschine eigentlich eine Wärmeerzeugungsmaschine ist,
da netto immer mehr Wärme abgegeben als Kälte erzeugt wird.
Üblicherweise wird die Abwärme von Kältemaschinen meist an die Umgebung abgegeben.
Im Fall des ERCL macht man sich jedoch
die Abwärme zu Nutze.
 

Schritt 4: Expansion des Kältemittel

Wie oben erwähnt handelt es sich bei einer Kälteanlage um ein in sich geschlossenes System.
Das bedeutet das Kältemittel durchläuft einen Kreisprozess, der sich immer wiederholt.
Aus diesem Grund muss an die Kondensationsprozess ein weiterer Schritt durchlaufen werden,
der den Kreisprozess schliesst. Dieses ist die Expansion.
Bei der Expansion wird das unter hohem Druck stehende flüssige Kältemittel durch ein
Expansionsorgan (z.B. ein Ventil wie in Bild 1) auf den niedrigen Druck im Verdampfer
entspannt. Der Energieumsatz bei der Expansion kann im Vergleich zu den anderen
Arbeitsschritten vernachlässigt werden.

Noch eine kurze Anmerkung, weil viele Gäste diese Frage stellen:
Warum ist manchmal Wasser auf dem Eis?

Das kann mehrere Gründe haben. Zum Einen ist es ein Open-Air Stadion und damit an die örtlichen Wetterbedingungen ausgesetzt und zum Anderen kann es auch an der Eisaufbereitung liegen.

Was die Wetterbedingungen angeht, es hilft uns nicht viel, wenn es nur kalt ist, es muss auch relativ windstill
sein. Unsere Kälteanlage schafft normalerweise ein “trockenes” Eis bis +15 Grad Celsius. Aber dies hängt von
mehreren Faktoren ab: Aussentemperatur, Wind und Eisstärke.

Aussen-Temperatur:
Sobald es über 15 Grad Celsius geht schafft es unser 30 Jahre alter “Kühlschrank” einfach nicht mehr.

Wind
Sobald der Wind extrem über das Eis bläßt, wird das Eis in Windrichtung “nass

Eisstärke:
Früher wurde immer behauptet, je dicker das Eis um so länger hält es auch den warmen Wetterbedingungen
stand. Aber wer sich ein bisschen mit Physik beschäftigt hat, wird feststellen, dass wir nur ein “trockenes
Eis fahren können wenn die Eisstärke max. 5 cm beträgt.

Ein Beispiel mit dem Eisfach vom Kühlschrank:
Lasst mal das Eisfach von einem Kühlschrank offen stehen, also Tür auf,- was passiert? Das Eis schmilzt bis
zu einer gewissen Stärke weg. Aber was der Kompressor (unsere Kälteanlage) dann max. leistet, bis zu dieser Eisstärke bleibt das Eis tadellos erhalten.
In den letzten vielen Jahren wurde das Eis immer zu stark gefahren, also mind. 7cm. Dieses Jahr versuchen
wir “dünn” zu bleiben. Also max. 5cm. Und man wird feststellen, dass das Eis länger Eis und bleibt und nicht Wasser.

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